Düsseldorf 1970, Kreativität = Kapital

Ein Gastsemester in Düsseldorf hatte HPAs Drang sein Leben der Kunst zu überschreiben, besiegelt. Nach seinem erfolgreichen Abschluss in Münster schrieb er sich an der Kunstakademie ein. Er betrat die Beuys-Klasse. Heute differieren die Meinungen über die Anzahl von 200-330 Studenten, die Beuys aufgenommen hatte um jedem der keinen Studienplatz fand, einen solchen zu geben. Kunst sollte jeder machen können! In den Räumen 13,19,20 tummelten sich viele angehende Künstler, die noch heute den internationalen Kunstmarkt maßgeblich beeinflussen.

Jörg Immendorff hatte gerade die Akademie verlassen. Er bäumte sich mit seiner LIDL-Akademie gegen die Regeln des Kunstbetriebs und der Politik auf. Beuys war sehr vom Fluxus, von einer spielerischen Kunstform, welche Internationalität, Experimentierlust, Vergänglichkeit und Materialvielfalt unter einen Hut brachte, geprägt.

Das umtriebige Verhalten vieler Fluxuskünstler und Dadaisten der 60er Jahre, die Kombination von Lyrik, Musik, Performance eben den Mitteln der bildenden Kunst, die letztendlich zu dieser sinnlichen und offenen Richtung geführt hatten, brachten Beuys zur "sozialen Plastik", jener Kunstform, die jeder machen sollte.

"Die menschlichen Vorstellungen über die Dinge befreien und damit einer neuen Sicht und Nutzung zugänglich machen".

Man kann sich vorstellen was der Professor, abgesehen von seiner unglaublichen Ausstrahlung, in den jungen Menschen auslöste.

In seiner Klasse befanden sich Walter Dahn, Felix Droese, Milan Kunc oder Katharina Sieverding, um nur wenige Namen zu nennen. Unter der Leitung des Bildhauers Norbert Kricke studierten bei den Professoren Geiger, Beuys, Richter, Graubner, Hüppi u.a: Candida Höfer, Markus Oehlen, Thomas Schütte, Isa Genzken, Imi Knoebel, Norbert Tadeuz, Anatol Herzfeld, Norbert Prangenberg. (Nur ein kleiner Auszug aus der künstlerischen Starfabrik!)

Düsseldorf wurde mit Hilfe der neu gebauten Kunsthalle, dem integrierten Kunstverein und einer umtriebigen Sammlerschaft, zum vorläufigen Zentrum der Avantgarde. Beuys war in seiner Position als Documenta-Teilnehmer, Revolutionär und Vertreter des anthropologischen Ansatzes, Kunst aktiv in die Politik, Wirtschaft und den Alltag einkehren zu lassen, die Ikone der Akademie.